
Carbon Management: Industrie und Politik drängen auf schnellen Aufbau der CO2‑Infrastruktur im Ruhrgebiet
Die Deutsche Carbon Management Initiative (DCMI) und Everllence SE haben heute bei einem Fachdialog in Oberhausen deutlich gemacht: Eine klimaneutrale und zugleich wettbewerbsfähige Industrie in Deutschland braucht einen schnellen Aufbau von Carbon Management und CO2‑Infrastruktur. Im Mittelpunkt der Veranstaltung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie und Politik standen die Rolle von Carbon Capture, Utilization and Storage (CCU/S) für die Dekarbonisierung energieintensiver Branchen sowie die Wertschöp-fungspotenziale für das Ruhrgebiet – einschließlich neuer Exportchancen für deutsche Carbon Management Technologien und der Sicherung hochwertiger Industriearbeitsplätze.
Für die Deutsche Carbon Management Initiative ist klar, dass ohne ein konsequent umgesetztes Carbon Management eine klimaneutrale Industrie nicht erreichbar ist. „Wir brauchen Carbon Management als Ergänzung zu Effizienz, Erneuerbaren und Elektrifizierung“, betont Dr. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft. Unternehmen stünden mit konkreten Projekten in den Startlöchern, könnten diese aber nur realisieren, wenn ein verlässlicher Rechtsrahmen, beschleunigte Genehmigungen und ein klarer Pfad für den Aufbau der CO2‑Infrastruktur vorlägen. „Unser Ziel ist, dass aus einzelnen Vorhaben ein funktionierender Markt für Carbon Management in Deutschland und Europa entsteht“, so Kehler.
Everllence zeigt in Oberhausen, dass die dafür benötigten Technologien bereits verfügbar sind. Das Unternehmen entwickelt und liefert CO2‑Kompressoren und komplette Verdichtungssysteme, die CO2 für Verflüssigung, Pipeline‑Transport und Speicherung aufbereiten und in Industrieanlagen integrieren. „Die Technologie ist nicht das Nadelöhr“, erklärt Dr. Marco Ernst, Head of Segment CCU/S bei Everllence. „Wir wissen, wie CO2 aus Abgasströmen abgeschieden, verdichtet und transportiert werden kann. Entscheidend ist, dass Politik und Regulierung jetzt die Voraussetzungen schaffen, damit diese Lösungen im industriellen Maßstab eingesetzt werden und langfristig tragfähige Geschäftsmodelle entstehen.“
„Mehr als 17 Millionen Tonnen CO2 – das ist der Rest, der bleibt, wenn wir alle anderen Hebel ausgeschöpft haben. Erneuerbare, Wasserstoff, Effizienz, Recycling. Für diese Mengen brauchen wir Carbon Management. Nicht als Ausrede, sondern als Antwort. Gerade für Branchen, wie Zement und Kalk gibt es keinen anderen Weg, der Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit zusammenbringt. Nordrhein-Westfalen will beides und daran arbeiten wir mit voller Kraft“, betont Silke Krebs, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.
Dr. Katharina Schubert, Geschäftsführerin von NRW.Energy4Climate, hebt hervor: „Nordrhein-Westfalen will seine Industrie nicht nur erhalten, sondern für die Zukunft stärken. CCU/S ist ein unverzichtbarer Teil dieses Weges. Das Ruhrgebiet mit seiner dichten Industrielandschaft, der bestehenden Energieinfrastruktur und der Nähe zu europäischen CO2-Transportrouten hat das Potenzial, zu einem zentralen CO2-Hub für NRW, Deutschland und Europa zu werden. Dafür müssen jetzt die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.“
Die gemeinsame Veranstaltung von DCMI und Everllence macht deutlich, welches Potenzial im Carbon Management für Klimaschutz, Wertschöpfung und Beschäftigung steckt – gerade im Ruhrgebiet. Gleichzeitig zeigt sie, wie groß der Handlungsdruck ist: Ohne klare Entscheidungen zu Transport, Nutzung und Speicherung von CO2 droht Deutschland den Anschluss an andere Industrieregionen zu verlieren.
















